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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


16. Oktober 2017

Uni Hd: Joh-Lektüre

 

Griechische Lektüre des Johannesevangeliums

M. E. ist es wesentlich, dass Sie ein sinnliches Verhältnis zum Text bekommen. Wir mussten dazu früher, den griechischen Text per Hand abschreiben. Wichtig ist auch, dass Sie den Text hören, also für sich laut vorlesen. Denn die Lesekompetenz war unter 20 %, sodass die Texte im Gottesdienst o. Ä. vorgelesen wurden. Die rhetorische Gestaltung der Texte zeigt das – und man/frau kann diese mit Übung hören.

Im digitalen Zeitalter hat sich das erfreulich geändert. Der Text ist unter folgendem Link erreichbar: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/bibleworks-8/ . Sie müssen Sich dann mit Ihrem UB-Ausweis anmelden. Dort finden Sie auch wichtige Hilfsmittel, Grammatiken, Lexika, Übersetzungen usf.

Entscheidend ist, dass Sie die Texte mit Datenbanken durchsuchen können, also ein mächtiges Hilfsmittel haben. Die für das Neue Testament wichtigsten sind solche, die LXX und NT zusammen bieten. Sie können das zugleich mit einer Biblia Hebraica – Datenbank verbinden.

Als Kernbestand werden wir Joh 1,1-18, Joh 3, Joh 17, Joh 20f übersetzen, um einen klaren Überblick über das Johev zu erhalten, alle gewöhnlich debattieren Fragen lassen sich von diesen Texten her klären. Ergänzend können Sie weitere Texte vorschlagen.

 


 

14. Oktober 2017

Amerika 2 Bad Rappenau

US-VIZEPRÄSIDENT Pence, katholisch, Anhänger von Intelligent Design

Zunächst möchte ich festhalten, dass ich die Diskussion zur Unabhängigkeitserklärung sehr gut fand:

  • Das Prinzip des pursuit of Happiness fand die gebührende Aufmerksamkeit, löste aber auch Nachdenklichkeit aus, „Egoismus“, „Individualismus“ o. Ä.
  • Es wurde auch wahrgenommen, dass dieses Prinzip nicht zuletzt wg. der Verfolgung protestantischer Gruppen durch reichsreligiöse (staatskirchliche) Gruppen im Verein mit territorialen oder städtischen staatlichen Herrschaften philosophisch vertieft in die Unabhängigkeitserklärung aufgenommen wurde.
  • Die Erklärung lässt sich zugleich religiös („creator“), aber auch philosophisch pantheististisch interpretieren, weil einige Autoren Freimaurer waren („god of nature“), naturrechtlich bildliche Interpretation von Gen 1,26f. – Widerstandsrecht.

In der Diskussion wurde auf das Problem kreationistischer Gruppen in den USA hingewiesen, welche die darwinsche Evolutionstheorie wissenschaftlich überbieten wollen, was nicht nur bei protestantischen Fundamentalist/inn/en beliebt ist, sondern auch entsprechenden katholischen, muslimischen oder jüdischen Brüdern und Schwestern.
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13. Oktober 2017

Bibelkunde Heidelberg: Psalmen

Psalmen

Übersicht über die Sammlungen innerhalb des Psalters

Name

Der Name „Buch der Psalmen“ (gr. βίβλος ψαλμν, biblos psalmon) ist bereits im Neuen Testament (Apg 1,20) belegt, er stammt wohl aus der griechischen Textüberlieferung. Abgeleitet ist dieser Name von einem griechischen Saiteninstrument (ψαλτήριον, psaltērion), die Psalmen galten demnach als Lieder.

In der hebräischen Tradition wird das Buch סֵפֶר
תְּהִלִּים, sefær tehillîm genannt, abgeleitet von תְּהִלָּה, tehillâ, Preislied. Innerhalb des Psalters (als Bezeichnung für das Buch) zählt man 150 Psalmen, doch auch in anderen biblischen Büchern sind entsprechende Lieder zu finden, vgl. Ex 15; Dtn 32+33; 1.Sam 2 u. ö.

Zählung

Die Zählung der Psalmen variiert in den einzelnen Traditionen, wobei die deutschen Bibelausgaben zumeist der Zählung der Biblia Hebraica folgen. Die Septuaginta (LXX) hat dagegen Psalm 9+10 und 114+115 zusammengefasst, kommt aber durch Auftrennung der Psalmen 116 und 147 wieder auf eine Gesamtzahl von 150. Danach fügt sie aber einen zusätzlichen Psalm 151 „außerhalb der Zählung“ und eine Sammlung von 14 Oden hinzu, zusätzlich bietet sie noch die ebenfalls apokryphen Psalmen Salomos. Auch in der großen Psalmenrolle aus Qumran sind Psalmen erhalten, die nicht zu den kanonischen Liedern gehören, teilweise aber schon aus anderen Quellen bekannt waren. Diese komplizierte Überlieferung ist Hinweis darauf, dass die endgültige Kanonisierung des Psalmenbuches erst vergleichsweise spät (2. Jh. v. Chr.) erfolgt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die erhaltene Abtrennung der einzelnen Psalmen nicht immer sinnvoll ist: So sind in Psalm 19 sicher zwei ganz verschiedene Lieder zu einem Stück zusammengestellt worden. Andererseits finden sich Doppelüberlieferungen, so ist beispielsweise Psalm 70 auch in Ps 40,14-18 erhalten, Ps 108 aufgeteilt in 57,8-12 und 60,7-14.

Gebrauch

Die Frage, weshalb die einzelnen Psalmen zu dieser Sammlung zusammengestellt wurden, ist in der Forschung umstritten. Wahrscheinlich galten die Psalmen zur Zeit der Kanonisierung nicht als liturgisches Formular für die Liturgie des Zweiten Tempels. Sie dienten eher als Andachts- oder Erbauungsbuch, in bestimmten Kreisen sicher auch als prophetisch verstehbare Schriften. Dies wird auch durch den neutestamentlichen Befund unterstützt; hier werden die Psalmen am häufigsten von allen alttestamentlichen Schriften zitiert. Das ist bei einer Verwendung als Tempel-Gesangbuch schwer denkbar.

Wachstum

Das Wachstum des Buches ist in Etappen erfolgt, die zum Teil noch erkennbar sind. So reichten frühere, kleinere Sammlungen wohl von Psalm 2-72 oder 89, später wurden die Tora-Psalmen 1 und 119 zur Rahmung hinzugefügt, noch später kamen die Lieder 120-150 hinzu, die ihrerseits wieder aus einzelnen Sammlungen bestehen. Dabei kamen in der Endfassung alte, vorexilische Lieder neben vergleichsweise jungen Stücken zu stehen. Übergreifendes Ordnungsmerkmal ist die später erfolgte Einteilung in fünf Bücher [1-41; 42-72; 73-89; 90-106; 107-150], analog der Einteilung der Tora. Zu erkennen ist diese Ordnung daran, dass an die letzten Psalmen der einzelnen Sammlungen jeweils sehr ähnliche Segenswünsche angeschlossen wurden, vgl. Ps 41,14: „Gepriesen ist JHWH, der Gott Israels, von Ewigkeit bis in Ewigkeit! Amen, ja Amen.“

Alter

Das Alter der einzelnen Psalmen ist kaum sicher zu bestimmen. Einige sind wohl vorexilisch (zumindest in Grundbestandteilen), so Ps 24+29 (auch Ps 2+110?), andere sind gewiss exilisch, Ps 50; 74+137. Die meisten anderen Lieder sind wohl in ihrer jetzigen Form nachexilisch, wobei eine weitergehende Angabe, etwa über ältere Vorstufen, kaum möglich ist.

Der Psalter ist bibelkundlich besonders schwer zu erfassen, andererseits sind hier für die eigene Frömmigkeit wichtige Texte gesammelt. Die Psalmen sprechen Lob, Hoffnung und Klage nicht nur für die damalige historische Situation aus, sondern sind offen für jede Gegenwart. Deshalb sollte man sich dem Buch vor allem durch eigene, wiederholte Lektüre nähern, möglichst entlang jeweils unterschiedlicher Ordnungskriterien. Hier wird keine Inhaltsangabe der einzelnen Psalmen geboten, sondern als Ergänzung zu dem Thema-Kapitel „Psalmengattungen“ sollen die einzelnen alten Sammlungen des Psalters und wenige wichtige Einzeltexte vorgestellt werden.

Sammlungen und Überschriften

Innerhalb des Psalters sind verschiedene Untersammlungen erkennbar, die oft Lieder unterschiedlicher Gattungen vereinen. Diese Sammlungen sind vor allem an den Titeln zu erkennen, womit aber ein weiteres Problem der Forschung anzusprechen ist: Die genaue Bedeutung der Psalmenüberschriften ist oft noch völlig ungeklärt. Es muss zudem davon ausgegangen werden, dass die Titel zumeist später hinzugewachsen sind. Die historischen Bezugnahmen der Überschriften (Ps 3,1: „Von David, als er vor seinem Sohn Absalom floh“) sind im Regelfall nicht als zutreffende Angabe über die Entstehungsverhältnisse des jeweiligen Psalms zu werten.

 Die einzelnen Sammlungen sind in der heutigen Endform aus ihrem früheren Zusammenhang genommen und vermischt worden. Wahrscheinlich stellen sie in ihren Grundzügen ursprünglich ältere Sammlungen dar, deren Herkunft aber trotz der Titelangaben unklar bleibt.

Tempelsänger

Nach 1.Chr 6,24-28 war beispielsweise Asaf Stammherr einer Gilde von Tempelsängern, ebenso waren die Korachiten am Tempel beschäftigt (2.Chr 20,19), als Sänger wie Torhüter (1.Chr 26,1). [Die Erzählungen um die „Rotte Korach“ in Num 16+17 spiegeln offensichtlich Auseinandersetzungen um Status und Ansprüche dieser Gruppe.] Es ist anzunehmen, dass die Psalmen mit diesen Sängergilden in Zusammenhang stehen. Die Autorenschaft Davids ist sicherlich nicht historisch, hier wirkt die etwa in 1.Sam 16,14-23 belegte Tradition von David als Musiker nach. Aus welchen Gründen die Psalmen innerhalb der Sammlungen nebeneinander zu stehen kamen, wird derzeit intensiv erforscht. An manchen Stellen leuchtet die Logik der Abfolge unmittelbar ein: Ps 23 äußert den Wunsch, im Haus des Herrn zu bleiben. Der direkt folgende Ps 24 ist eine Einlassliturgie, die den Zugang zu ebendiesem Tempel regelte.
Die Psalmen 42 bis 83 wurden teilweise zu einem unbekannten Zeitpunkt in der Weise überarbeitet, dass der Gottesname JHWH durch die allgemeinere Bezeichnung
אֱלֹהִים, Elohim ersetzt wurde. Daher spricht man hier vom „elohistischen Psalter“ analog zu der vermuteten Pentateuch-Quelle „Elohist“, deren Kennzeichen ebenfalls die Verwendung von אֱלֹהִים als Gottesbezeichnung ist.

In der heutigen Fassung wird der Psalter eröffnet durch den weisheitlichen Psalm 1, der das Leben des Einzelnen unter den Aspekt der Tora-Befolgung stellt. Das Psalmenbuch läuft dann auf das besondere Loben Gottes hinaus, der Halleluja-Psalm 150 ist nicht zufällig Abschluss der Sammlung.

Gattungen

Zur Orientierung im Psalter ist es notwendig, einige für bestimmte Gattungen oder Inhalte typische Psalmen zu kennen, so Klagelieder des Einzelnen (22+69), Klagelieder des Volkes (44, 60, 90), Lobpsalmen (30, 114, 136), Vertrauenslieder (23), Hymnen (8, 100, 113), Königspsalmen (2, 20, 110), Alphabetische Psalmen (9/10, 119, 145), Zionslieder (46, 48, 76, 84+87), Weisheitliche Psalmen (73, 133), Schöpfungspsalmen (8, 19A, 104). Für weitere Angaben vgl. auch das Thema-Kapitel.

Wichtige Einzeltexte

Übersicht über wichtige Einzeltexte der Psalmen

Zum Musikverständnis vgl. hier.

8. Oktober 2017

Vhs Bad Rappenau: Unabhängigkeitserklärung — Philosophie

„We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. — That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, — That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Prudence, indeed, will dictate that Governments long established should not be changed for light and transient causes; and accordingly all experience hath shewn that mankind are more disposed to suffer, while evils are sufferable than to right themselves by abolishing the forms to which they are accustomed. But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.“

Mit diesen berühmten Worten beginnt die „amerikanische Unabhängigkeitserklärung“, welche die rechtmäßige Selbstbestimmung der Kolonien gegenüber dem britischen Mutterland rechtfertigt. Für uns in diesem Kurs ist wesentlich, dass der Text grundlegende Elemente des Verhältnisses von Philosophie, Religionssystem und Politiksystem bzw. Staat erkennen lässt, die den Philosophieteil des Kurses über zwei Semester begleiten werden.

Kursprogramm

  1. 2017, 1: Einführung in die Grundstruktur anhand der Unabhängigkeitserklärung
  2. 2017, 2: Probleme des Modells im Vergleich zu Art. 137 Weimarer Reichsverfassung (ins Grundgesetz übernommen)
  3. 2018, 1: Semiotische Prozessphilosophie – Charles Sanders Peirce
  4. 2018, 2: Symbolisch-naturphilosophische Naturphilosophie – Alfred North Whitehead

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7. Oktober 2017

Das Licht der fremden Völker (Jes 49,1-6 [EfG Griesheim])

http://https://trendblog.euronics.de/wp-content/uploads/2017/08/Sonnenfinsternis-intographics-768×508.jpg

49 1Hört auf mich, ihr Inseln, hört gut zu, ihr Völker in der Ferne! Gott hat mich berufen von Mutterleib an, gedachte meines Namens, als ich noch im Leib meiner Mutter war. 2 Gott hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mich im Schatten der Gotteshand geborgen, mich zu einem spitzen Pfeil gemacht, im Köcher mich verwahrt. 3 Gott hat zu mir gesprochen: »Du stehst in meinem Dienst! Israel, durch dich will ich meine Würde zeigen!« 4 Ich aber hatte mir gesagt: »Umsonst habe ich mich bemüht, für nichts und wieder nichts meine Kraft verbraucht!« Trotzdem: Mein Recht liegt bei Gott und der Lohn meines Tuns bei meiner Gottheit. 5 Aber nun hat Gott gesprochen! Von Mutterleib an bin ich gebildet, im Dienst Gottes zu stehen, um Jakob zurückzuführen zu Gott, sodass Israel für Gott gesammelt wird. Ich hatte Gewicht in Gottes Augen und meine Gottheit war meine Kraft. 6 Und Gott sprach: »Zu wenig ist es, dass du in meinem Dienst stehst, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Geretteten Israels zurückzubringen, sondern ich mache dich zum Licht der fremden Völker, damit meine Rettung reicht bis an die Enden der Erde.« (Vgl. Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

ein prophetische Text, in dem sich Israel selbst verständigt – festzulegen versucht, wie es zu verstehen ist, wenn Gott universal ist, der einzige Gott überhaupt, nicht nur Gott der Nachkommen Jakobs, der 12 Stämme Israels, sondern der Gott aller Menschen, auch der Gott der „fremden Völker“ (Luther: „Heiden“).
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6. Oktober 2017

Twitter-Antworten I

Islam und Terror

Erinnerungen, die helfen sollen,  damit der Diskussionsprozess nicht in Banalitäten steckenbleibt.

Ich möchte noch mal an einige Punkte erinnern, die m. E. besser nicht in der Flut von z. B. banalen Retweets untergehen:

  • Falls ich nichts übersehen habe, reagiert niemand auf meine Darlegung der Struktur des IS, der nämlich aus ehemaligen Elitetruppen Saddam Husseins und Dschihadisten besteht.
  • Hieran ist wesentlich, dass die Baath-Partei z. T. auch atheistische oder agnostische Aspekte enthält.
  • Die Hinweise zum europäischen Enststehen des Faschismus werden ebenfalls tapfer ignoriert.
  • Ebenso scheint das Enstehen von Al Kaida unbekannt zu sein. Vgl. den Beitrag eingangs!
9. September 2017

Mord aus Missachtung (Gen 4,1ff [EfG Griesheim])

Dann erkannte Adam Eva, seine Frau; sie wurde schwanger, gebar den Kain und sprach: »Ich habe einen Sohn geboren – mithilfe des Herrn.« 2Da fuhr sie fort und gebar seinen Bruder, den Abel.

Abel wurde ein Viehhirt, Kain aber war Ackerbauer.

3Nach einiger Zeit brachte Kain von den Früchten des Ackers dem Herrn eine Opfergabe dar. 4Daraufhin brachte auch Abel etwas von den Erstgeburten seiner Herde und von ihren Fettstücken dar. Doch der Herr beachtete Abel und seine Opfergabe, 5Kain aber und seine Opfergabe beachtete er nicht. Das ließ Kain aufs Äußerste entflammen, seine Gesichtszüge entgleisten. 6 Da sagte der Herr zu Kain: »Warum brennt es in dir? Und warum entgleisen deine Gesichtszüge derart? 7Ist es nicht so: Wenn dir Gutes gelingt, schaust du stolz; wenn dir aber nichts Gutes gelingt, lauert die Sünde an der Tür. Auf dich richtet sich ihr Verlangen, doch du – du musst sie beherrschen.« 8Da wollte Kain seinem Bruder Abel etwas sagen – doch als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und tötete ihn. 9a Da sagte der Herr zu Kain: »Wo ist Abel, dein Bruder?« Der sagte: »Das weiß ich nicht. Habe ich etwa die Aufsicht über meinen Bruder?« 10Daraufhin sagte der Herr: »Was hast du getan? Laut schreit das Blut deines Bruders zu mir vom Acker her. 11Also: Verflucht bist du, weg vom Acker, der das Blut deines Bruders von deiner Hand geschluckt und aufgenommen hat! 12Wenn du den Acker bearbeitest, wird er dir seine Kraft nicht mehr geben. Heimatlos und ruhelos musst du auf der Erde sein.« 13Da sagte Kain zum Herrn: »Meine Schuld ist zu groß, sie kann nicht aufgehoben werden. 14Doch schau, du vertreibst mich heute vom Antlitz des Ackers, und auch vor deinem Antlitz muss ich mich verbergen und soll heimatlos und ruhelos auf der Erde sein dann kann jeder mich töten, der mich findet.« 15Da sprach der Herr zu ihm: »Also denn: Wer Kain tötet, soll siebenfach gerächt werden.« Und der Herr machte ein Zeichen für Kain, sodass nicht jeder ihn erschlagen kann, der ihn findet. 16So zog Kain los, fort vom Angesicht ließ sich nieder im Lande Nod, ›Unruhe‹, östlich von Eden. (Vgl. Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

ein berühmter Text, der von der segensreichen Kraft und Tiefe der Sexualität spricht – und der von der durch Eva und Adam mithilfe der Schlange erworbenen Fähigkeit, wie Gott sittlich handeln zu können, mithin zwischen „gut“ und „böse“ unterscheiden zu können, eine erste aufschlussreiche Geschichte erzählt.

Eva wird sexuell von Adam erkannt, Sexualität ist biblisch eine Form des personalen Erkennens. Beim Sex erkennt sie oder er lustvoll die andere Person. (more…)

17. August 2017

Israelsonntag: Röm 11,25ff und (der Playmobil-) Luther (EfG Griesheim)

Der Playmobil-Luther

Ich will euch, liebe Schwestern und Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; 26und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. 27Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« 28Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. 30Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, 31so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Liebe Gemeinde,

dieser Text aus dem Römerbrief heute in einer nur ganz wenig angepassten Form in der Übersetzung Martin Luthers, die ganz richtig ist, aber auch die Frage aufwirft, warum er dies nicht als gültig für sich selbst anerkannt hat – und im Verlauf seines Lebens zu einem Judenfeind geworden ist.
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25. Juli 2017

Sechster Sonntag nach Trinitatis (Act 8,26ff [EFG Griesheim])


Ein Engel des Herrn sprach zu Philippus: „Auf, mach dich auf Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt!« Das ist eine einsame Gegend. 27Er machte sich auf und ging. Da war da ein Äthiopier, ein Eunuch, ein Hofbeamter der Kandake, der äthiopischen Königin, der über alle ihre Finanzen gesetzt war. Er war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten. 28Nun saß er auf der Rückreise auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 29Der Geist sagte zu Philippus: »Geh heran und halte dich an diesen Wagen!« 30Philippus lief heran und hörte, wie er den Propheten Jesaja las, und sagte: »Verstehst du denn, was du da liest?« 31Der sagte: »Wie sollte ich es denn können, wenn mich niemand anleitet?« Und er bat Philippus aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. 32Der Schriftabschnitt, den er las, lautete so: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; wie ein Lamm beim Scheren keinen Laut von sich gibt, so macht er seinen Mund nicht auf. 33In seiner Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben; seine Sippe wer kann von ihr erzählen? Wird doch sein Leben von der Erde weggenommen. 34Der Eunuch sagte zu Philippus: »Ich bitte dich, über wen sagt der Prophet das? Über sich selbst oder über jemand anderen?« 35Philippus begann zu sprechen und von dieser Schriftstelle ausgehend verkündigte er ihm Jesus. 36Wie sie so den Weg dahinfuhren, kamen sie zu einem Gewässer; und der Eunuch sagte: »Da ist Wasser! Was steht dem entgegen, dass ich getauft werde?« 38Da befahl er, dass der Wagen anhielte; und sie stiegen beide hinab in das Wasser, Philippus und der Eunuch; und er taufte ihn. 39Als sie aus dem Wasser stiegen, entrückt der Geist des Herrn Philippus. Der Eunuch sah ihn nicht mehr. Denn er zog froh seines Weges. (Vgl. Bibel in gerechter Sprache, z. St.)

Liebe Gemeinde,

ein Text aus der Frühzeit der christlichen Mission von Jerusalem aus. Er ist in biblischen, prophetischen Farben geschrieben, wie wir sie aus Prophetenerzählungen kennen.
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Der Schüler den Jesus liebte

 

Zusammenfassung vom 24.07.

Zu möglichen Seminararbeiten: Ein/e Student/in sollte Thema/Text selbst wählen, Vorschläge dann, wenn Ihnen nichts einfällt. Wenn Sie sich entschieden haben, erstellen Sie eine Gliederung der Arbeit, die Sie mit mir besprechen sollten. Bei der Arbeit bewerte ich anteilmäßig 20 % formal (Stil, Rechtschreibung, Typografie, Layout); 20 % Argumentation (Methodik, Kohärenz; auch: Literaturverarbeitung); 30 % Inhalt; 30 % Theologische Verarbeitung (eigene Meinung usf.).

Der segmentierte Text befindet sich in der letzten Zusammenfassung.

Das Modell „Auferstehen“ überwindet das peinliche Kreuz – und generiert ein sanfteres Glaubens- bzw. Nachfolgekonzept findet sich m. E. in keinem Evangelium (vgl. auch 1Kor 2,2). Wir hatten uns an Luthers Heidelberger Disputation den Traditionshintergrund im Christentum deutlich gemacht. Und so ist hier auch die Story mit Petrus und seinem Tod gemeint. In das Liebeskonzeption wird mithin ein Leidensaspekt integriert, da ansonsten die Gewaltlosigkeit nicht aufrechterhalten werden könnte – und auch Gott wird im Johannesevangelium so verstanden.

Das Thema Nachfolge (ἀκολούθει) ist für Joh 21 zentral, so folgt auch der Schüler, den Jesus liebte, nach (21,20: κολουθοντα). Die Präkanonischen Edition gibt ihm den Namen Johannes, einer der Zebedaiden. Der Text lässt aber auch zu, dass es einer der beiden nicht namentlich genannten Schüler ist (vgl. 21,2).

Die Sitzung setzte sich dann mit dem Phänomen auseinander, dass in Joh 13,35f und 15,9-12 das Liebe konzeptionell so eingeführt wird:

9Καθς γπησν με πατρ,

κγ
μς γπησα·

μενατε ν τ
γπ τ
μ.

10ἐὰν τς ντολς μου τηρσητε,

μενετε ν τ
γπ μου,

καθς γ τς ντολς το πατρς μου τετρηκα

κα μνω ατο
ν τ
γπ.

11Τατα λελληκα μν


να χαρ

μ
ν μν

κα
χαρ
μν πληρωθ.

12Ατη στν
ντολ

μ,

να γαπτε λλλους

καθς γπησα μς.

Hier ist das zentrale Konzept des Johannesevangeliums bezeichnet. Und dazu steht die Bezeichnung eines Schülers mit der Kennzeichnung „den Jesus liebte“, in einem nachdenklich stimmenden Missverhältnis. Das übliche Neutestamentler/innen-Verfahren diese Formulierung als Komparativ zu lesen, wurde durch eine weitere Variante im Seminar bereichert („Lieblingsjünger“). Nur: Das findet alles in der reichen Fantasie der Ausleger/innen statt, steht aber nicht im griechischen Text. Der einzige Komparativ in diesem Zusammenhang findet sich hier:

Σμων ωννου,

γαπς με πλον τοτων; (21,15b.c)

Daraus und dem anscheinenden Konkurrenzverhältnis von Petrus und dem Schüler, den Jesus liebte, wurde bei den gut Griechisch verstehenden Kolleg/inn/en der Lieblingsjünger – nur im griechischen Text kommt er nicht vor! Sie sollten zur Sicherheit noch einmal alle Stellen lesen, die φιλεν/γαπν, ησος und μαθητς … kombinieren …

Entsprechend wandten wir uns der Frage zu, ob es sich um eine symbolische oder „historische“ Figur handelt. Bultmann glaubte, es ginge um eine Symbolisierung des „Heidenchristentums“, diejenigen, welche für „historische Figur“ plädieren, orientieren sich an der Möglichkeit, diesen Schüler mit dem Namen Johannes zu verbinden, wie es in der Präkanonischen Edition der Fall ist – und verbinden bestimmte altkirchliche Storys mit ihm (z. B. Schnelle, Einleitung).

Vom Text selbst her ist vor allem klar, dass es sich bei dem Schüler, den Jesus liebte, um den expliziten Autor des Johannesevangeliums handelt: 19,35, 20,30ff, 21,25, dessen Text aber von anderen herausgegeben wurde. Hier sind m. E. die in der 1. Person Plural geäußerten Passagen ausschlaggebend, hier vor allem 21,24, aber schon im Prolog und in Joh 3. Auf diese Weise kommt man m. E. mit den zwei Buchschlüssen recht gut hin.

M. E. symbolisiert er als Autor besonders die zentrale Beziehung im Johannesevangelium, die Liebe, vgl. 1,18, 13,23, 21,24.