“Im 6. Kapitel [sc. des Zhuang Zi]
heißt es an einer Stelle: Fische gedeihen im Wasser, Menschen im Tao. Folgende Interpretation legt sich nahe: Andere Tiere haben eine spezifische Umwelt, die Menschen hingegen nicht, sie leben unter immer wieder anderen Bedingungen und daher in konstanter Unbeständigkeit; deswegen können sie eine Beständigkeit nur erreichen, indem sie sich explizit auf das Tao, die Einheit in den Gegensätzen, beziehen.
Ich meine, dass diese taoistische Lehre von den Gegensätzen unmittelbarer zu uns sprechen kann als vergleichbare Theorien in unserer eigenen Tradition… Ihre Absicht ist eine rein praktische, die Erreichung der Stille im Sichbewusstmachen der Einheit der ganzen Kurve.” (Ernst Tugendhat, Egozentrizität und Mystik, 135)
“Die Gesetze der Ökonomie arbeiten zwar langsam, aber sie
arbeiten beständig und mit großer Kraft. ” (Hans-Werner Sinn, Ist Deutschland noch zu retten, München 2004, 455)
Wo nichts unter den menschlichen Dingen
unerschüttert bleibt; wo jeder gerade das, was seinen Platz in der Welt bestimmt und ihn an die irdische Ordnung der Dinge fesselt, in jedem Augenblick im Begriff sieht, nicht nur ihm zu entfliehen und sich von einem anderen ergreifen zu lassen, sondern unterzugehen im allgemeinen Strudel; wo die einen keine Anstrengung ihrer Kräfte schonen, und noch nach allen Seiten um Hilfe rufen, um dasjenige festzuhalten, was sie für die Angeln der Welt und der Gesellschaft der Kunst und der Wissenschaft halten, die sich nun durch ein unbegreifliches Schicksal wie von selbst aus ihren innersten Gründen emporheben, und fallen lassen, was sich so lange um sie bewegt hatte, und wo die anderen mit eben dem rastlosen Eifer geschäftig sind, die Trümmer eingestürzter Jahrhunderte aus dem Wege zu räumen, um unter den ersten zu sein, die sich ansiedeln auf dem fruchtbaren Boden, der sich unter ihnen bildet aus der schnell erkaltenden Lava des schrecklichen Vulkans; wo jeder, auch ohne seine Stelle zu verlassen, von den heftigen Erschütterungen des Ganzen so gewaltig bewegt wird, dass er in dem allgemeinen Schwindel froh sein muss, irgendeinen einzelnen Gegenstand fest genug ins Auge zu fassen, um sich an ihn halten und sich allmählich überzeugen zu können, dass doch etwas noch stehe; in einem solchen Zustande wäre es töricht zu erwarten, dass viele geschickt sein könnten, das Unendliche wahrzunehmen. (Reden 1799 [1984], 249)
Der Körper ist zwar eine Maschine, jedoch keine die, einmal
aufgezogen, über Jahre hinweg gänzlich unter äußerem Einfluss funktionieren kann. Seine Formung und Gestaltung geschehen vielmehr von innen. Mentale Funktion ist die Basis jeder physischen Funktion. Hinter den physischen Vorgängen, Atmung und Blutkreislauf gibt es einen mentalen Zustand, der den Körperzustand bestimmt. (John Martin Littlejohn, Psychophysiologie [1899, deutsche Übersetzung 2008])
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Bedenken Sie, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Relevanz haben könnten, wir dem Gegenstand unserer Konzeption zuschreiben. Folglich besteht die Konzeption dieser Wirkungen aus dem Ganzen unserer Konzeption des Gegenstands!
(Charles Peirce, How to make our ideas clear, 1878)
„Erziehung, die nicht in den Formen des Lebens erfolgt, nicht um ihrer selbst willen wertvoll ist,
ist immer nur ein kümmerlicher Ersatz für die Wirklichkeit und birgt die Gefahr, zu verkrampfen und zu ertöten…
Erziehung ist die grundlegende Methode des sozialen Fortschritts. Die Pflicht der Gesellschaft zu erziehen, ist daher ihre höchste sittliche Pflicht. Durch Gesetze und Strafen, soziale Agitation und Diskussion kann sich die Gesellschaft nur in planloser und zufälliger Weise regeln und formen. Durch Erziehung kann sie ihre eigenen Zwecke formulieren, ihre Mittel und Hilfsquellen organisieren und sich so mit geringstem Aufwand in der Richtung entwickeln, in der sie dies zu tun wünscht.“
John Dewey, Democracy and Education, 1916; deutsch 1993.
Wenn in der Gegenwart viele Formen wirtschaftlichen Handelns im Sturm der Globalisierung massive Kritik hervorgerufen haben, die auch die Wirtschaftswissenschaften als Legitimationshilfe dieser Handlungen betrifft, dann zeigt sich unmittelbar, dass die These von der “Wertneutralität” der Ökonomie als Wissenschaft nicht haltbar ist. Hinzu kommt, dass die Ökonomie als empirische Wissenschaft, die tragfähige Prognosen liefern sollte, gescheitert ist. (Buddhistische Wirtschaftsethik, 2002, 1f)
“Der wahre Grundstoff alles Lebens und Daseins ist eben das
Schreckliche.” (Philosophie der Offenbarung)
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“Dieses Wochenende in Prag werde ich
eine Tagesordnung vorlegen, um das Ziel einer Welt ohne Nuklearwaffen zu verfolgen”, sagte Obama. “Selbst nach dem Ende des Kalten Krieges könnte die Verbreitung von Atomwaffen oder der Diebstahl von atomarem Material zur Vernichtung von jeder Stadt auf dem Planeten führen.”
Verschiebungen der sozialen und epistemischen Konstellationen,
in denen Menschen denken und handeln, versehen verschiedene kulturelle
Strukturen mit verschiedenen Funktionen. so kann eine Religion sowohl eine subversive Kraft sein, die sich gegen bestimmte Herrschaftsstrukturen richtet, wie auch ein Mittel der Herrschaftsausübung und -stabilisierung. Das Christentum hat in seinen beiden Erscheinungsformen, als jüdische Sekte im römisch besetzen Palästina und als staatstragende Religion im Heiligen Römischen Reich, zu unterschiedlichen Zeiten beide Funktionen erfüllt. Ebenso kann eine politisch-ökonomische Philosophie wie die von Karl Marx Kritik einer wirtschaftlichen Ideologie in einem liberalen Bürgerstaat sein und den Steinbruch für die Überzeugungselemente einer staatstragendenden Ideologie abgeben, die eine Parteidiktatur stützt, wie es im Stalinismus passiert ist. Eine Metaphysik wie die Platonische Ideenlehre kann ein Mittel der Kritik sein wie im Munde des Sokrates gegenüber dem oppurtunistischen Relativismus der Sophistik, oder sie kann als Instrument zur Legitimierung einer Kirchenhierarchie als “ontologisch” notwendig dienen wie im Fall des augustinischen Neuplatonismus. Eine Technik wie das Internet kann komplexe und umfangreiche Wissensbestände allgemein zugänglich machen oder das Streben nach Wissenschaft und Wahrheit durch die Verbreitung von Lügen und Pornografie behindern. Kurz: Soziale, kulturelle Strukturen wie Religionen, Philosophien, Technologien oder auch Künste haben weder ein festes Wesen noch eine feste Funktion. (Michael Hampe, Erkenntnis und Praxis. Zur Philosophie des Pragmatismus, Frankfurt/M. 2006, 24f.)
Die Doppelstruktur, dass das ontisch-reale Gehirn zwei sich widersprechende Konstrukte generiert, ein alltagswirkliches und ein naturwissenschaftliches, erkannten wir bereits …
Einerseits konstruiert das ontisch-reale Gehirn aufgrund eines bestimmten (mir unzugänglichen) Reizes aus der ontischen Realität die Farbwahrnehmung Rot, andererseits entwirft es das naturwissenschaftliche Bild, dass dieser Umweltreiz farblos ist und lediglich aus einer bestimmten (mir zugänglichen, in Nanometern bezifferbaren Frequenz) elektromagnetischer Wellen besteht. “Rot” verhält sich zu “eine elektromagnetische Wellenfrequenz um 700 Nanometer reizt den (wirklichen) visuellen Apparat, Rot wahrzunehmen”, wie “Mein Ich ist Autor des motorischen Tuns” sich verhält zu “Ein ‘readiness potential’ des wirklichen Gehirns setzt mein Tun in Gang”. Je widerspricht das eine Bildkonstrukt dem anderen. (Peter Lampe, Die Wirklichkeit als Bild, 2006, 59)
Wenn uns jemand erzählte, ein Mann habe in der Chicagoer Gangsterwelt ein langes und erfolgreiches Leben geführt, so wären wir berechtigt, einige Überlegungen darüber anzustellen, was für eine Sorte Mensch er war. Wir könnten erwarten, dass er Eigenschaften hätte wie Härte, Reaktionsschnelligkeit und die Fähigkeit, loyale Freunde um sich zu sammeln. Dies wären zwar keine unfehlbaren Rückschlüsse, doch man kann sehr wohl einige Aussagen über den Charakter eines Menschen machen, wenn man etwas über die Bedingungen weiß, unter denen er überlebt und sich erfolgreich behauptet hat. Die These dieses Buches ist, dass wir und alle anderen Tieren Maschinen sind, die durch Gene geschaffen wurden. Wie erfolgreiche Chicagoer Gangster haben unsere Gene in einer Welt intensiven Existenzkampfes überlebt – in einigen Fällen mehrere Millionen Jahre. Aufgrund dessen können wir ihnen bestimmte Eigenschaften unterstellen. Ich würde argumentieren, dass eine vorherrschende Eigenschaft, die wir bei einem erfolgreichen Gen erwarten müssen, ein skrupelloser Egoismus ist. Dieser Egoismus des Gens wird gewöhnlich egoistisches Verhalten des Individuums hervorrufen. Es gibt jedoch, wie wir sehen werden, besondere Umstände, unter denen ein Gen seine egoistischen Ziele ab besten dadurch erreichen kann, dass es einen begrenzten Altruismus auf der
Stufe der Individuen fördert. Die Worte „besonders“ und „begrenzt“ in diesem Satz sind wichtig. So gern wir auch etwas anderes glauben wollen, universelle Liebe und das Wohlergehen einer Art als Ganzes sind Begriffe, die evolutionstheoretisch einfach keinen Sinn ergeben.
Dies bringt mich zu der ersten Feststellung, die ich darüber treffen möchte, was dieses Buch nicht ist. Ich trete nicht für eine Ethik auf der Grundlage der Evolution ein. Ich berichte lediglich, wie die Dinge sich entwickelt haben. Ich sage nicht, wie wir Menschen uns in moralischer Hinsicht verhalten sollen. Ich betone dies angesichts der Gefahr, dass ich von jenen – allzu zahlreichen – Leuten falsch verstanden werde, die nicht unterscheiden können zwischen einer Darstellung dessen, was nach Überzeugung des Sprechenden oder Schreibenden der Fall ist, und einem Plädoyer für das, was der Fall sein sollte. Ich selbst bin der Meinung, dass eine menschliche Gesellschaft, die lediglich auf dem Gesetz des universellen, rücksichtslosen Gen-Egoismus beruhte, eine Gesellschaft wäre, in der es sich sehr unangenehm lebte. Unglücklicherweise jedoch hört etwas, das wir beklagen, und sei es auch noch so sehr, deshalb nicht auf, wahr zu sein. Dieses Buch soll vor allem interessant sein. Wenn der Leser jedoch ein Moral aus ihm ableiten möchte, möge er es als Warnung lesen: Wenn er – wie ich – eine Gesellschaft aufbauen möchte, in der die einzelnen großzügig und selbstlos zugunsten eines gemeinsamen Wohlergehens zusammenarbeiten, kann er wenig Hilfe von der biologischen Natur erwarten. Lasst uns versuchen, Großzügigkeit und Selbstlosigkeit zu lehren, denn wir sind egoistisch geboren. Lasst uns verstehen lernen, was unsere eigenen egoistischen Gene vorhaben, denn dann haben wir vielleicht die Chance, ihre Pläne zu durchkreuzen – etwas, das keine Art bisher jemals angestrebt hat. (Richard Dawkins, Das egoistische Gen, 2008, 36-38)
Zu älteren Zitaten vgl. hier…